Mose –Zehn gebot (Bilder)

Gottes Übergabe der Steintafeln an Mose, selten mit der ganzen Tora (Ex 24,12), meist mit den Zehn Geboten (Ex 34,28), wurde seit dem 6. Jahrhundert ein Standardmotiv der christlichen Kunst, besonders in byzantinischer Ikonographie und in illustrierten Bibelhandschriften desHochmittelalters, später auch in Druckwerken. Ein berühmtes Beispiel ist das Apsismosaik im Katharinenkloster (Sinai). Die meisten dieser Darstellungen typisieren Mose als demütigen Empfänger der Tafeln aus Gottes Hand, manchmal verbunden mit dem Motiv des brennenden Dornbuschs als Sinnbild seiner Berufung, während die Israeliten fast nie erscheinen. Oft wird ein Mosebild einem Bild Jesu Christi gegenübergestellt, so dass der Empfang des Dekalogs allen Völkern gelten und auf die Erfüllung der Tora durch den Sohn Gottesvorausweisen soll.

Lucas Cranach der Ältere schuf 1516 ein großes Wandbild für den Gerichtssaal in Wittenberg. Zehn Bildfelder zeigen die Relevanz je eines Gebots im Alltagsleben. Alle Teilbilder werden von einem Regenbogen überwölbt, der an die Bundeszusage von Gen 9 erinnert. Dies deutete den Dekalog als Universalgesetz Gottes für die vor dem Untergang gerettete Menschheit, auf dem alle konkrete Gesetzgebung und Rechtsprechung gründet.

Viele Künstler stellten die Zerschlagung der Gesetzestafeln durch Mose dar, darunter Raffael (Fresken in den Loggien des päpstlichen Palastes im Vatikan), Nicolas PoussinRembrandt (Moses zerschmettert die Gesetzestafeln), Julius Schnorr von Carolsfeld und Marc Chagall (Moses zerbricht die Gesetzestafeln, 1955–1956). Die Übergabe der Gesetzestafeln stellten unter anderem Cosimo Rosselli in einem Wandgemälde der Sixtinischen Kapelle und wiederum mehrmals Chagall dar.

Die Dekalogtafeln in Hugenottenkirchen dienten oft als Ersatz für bildliche Darstellungen.

Mose –Zehn gebot (Skulpturen)

In antijudaistischen Skulpturen der Ecclesia und Synagoge in und an Kirchen des Hochmittalters wird die Figur der Synagoge mit verbundenen Augen und Gesetzestafeln dargestellt.

Die Stadt Bremen ließ um 1890 die Zehn Gebote als Mosaiken an der Außenfassade des Bremer Landgerichtsgebäudes unterhalb der Fensterbrüstungen des Saales anbringen, in dem das Schwurgericht tagte. Die Nationalsozialisten verboten die Schriftbilder, worauf Bremer Bürger sie mit Steintafeln verdeckten, statt sie wie verlangt zu zerstören.

In Austin, Texas, wurden in den 1960er Jahren Stelen mit den Zehn Geboten vor dem Parlamentsgebäude aufgestellt. Während ähnliche Monumente vor Gerichtsgebäuden in den USA in den meisten Bundesstaaten aufgrund der verfassungsgemäßen Trennung von Religion und Staat verboten und entfernt wurden, befand der Supreme Court in diesem Fall, die Stelen könnten als allgemeines historisches Kunstwerk stehen bleiben.

Samson

Samson, eigentlich Simson oder Schimschon (hebräisch שִׁמְשׁוֹן Šimšon, Šimšôn„von der Sonne“; auch „Diener Gottes“, oder diminutiv „Kleine Sonne“ bzw. „Sönnchen“) ist eine Gestalt aus der Richterzeit des Alten Testaments und Held des israelitischen Stammes Dan, dessen Leben im Buch der Richter in den Kapiteln 13–16 als drittletzter Richter des Alten Israel vor der Königszeit geschildert wird. Als ein Auserwählter Gottes (Nasiräer) blieb er durch seine unbezwingbare Stärke für die Philister unbesiegbar, solange er sein Haupthaar ungeschoren ließ, wodurch er die Unterdrücker Israels oftmals besiegte. Erst als er dieses Geheimnis seiner philistinischen Frau Delila (Dalila) verriet, die es an ihre Landsleute weitergab, wurde er gefangen genommen, geblendet und geschoren. Als sein Haar wieder wuchs, erlangte er noch einmal seine Kraft und brachte einen Philistertempel zum Einsturz, wodurch er 3000 Philister mit sich in den Tod riss. (Ri 13,1-16,31 EU)

Von Manoach wird im Buch der Richter (Kapitel 13–16) berichtet. Er ist ein Daniter und lebte in einem Dorf namens Zora. Er war verheiratet, seine Frau war jedoch unfruchtbar und konnte keine Kinder bekommen. Manoachs Frau kam eines Tages verstört nach Hause und berichtete, dass ihr ein Engel erschienen sei und ihr die Geburt eines Sohnes geweißsagt habe. Manoach, der dies nicht glauben konnte, lief hinaus aufs Feld und fand den Fremden, der ihm dies bestätigte. Daraufhin opferten Manoach und seine Frau für JHWH. Als die Flamme aufloderte, fuhr der Engel in das Feuer und verschwand (Ri13,20 EU). Nun glaubte Manoach an das Wunder des Herrn. Wenige Monate später wurde Samson geboren.

Nach Samsons Tod wurde dieser im Grab seines Vaters zwischen Zora und Eschtaol beerdigt (Ri 16,31 EU).

Samson - Die Erzählung

Samson lebte zu einer Zeit, als die Israeliten durch die Philister unterdrückt wurden, weil sie „taten (…) was dem Herrn missfiel“ (Ri 13,1 EU). Der Engel des Herrn weissagte der Frau des Israeliten Manoach vom Stamm Dan in Zora, die unfruchtbar war, die Geburt eines Sohnes. In Übereinstimmung mit den Geboten der Nasiräer enthielt sie sich des Weines und anderer starker Getränke; die Haare ihres verheißenen Kindes sollten niemals geschoren werden. Samson wurde gemäß den Bestimmungen des Nasiräertums erzogen.

Als er zum Jüngling herangewachsen war, verließ er die heimatlichen Berge und besuchte die Städte der Philister. Dort verliebte sich Samson in die Tochter eines Philisters aus Timna. Er überwand die Einwände seiner Eltern und durfte die Frau heiraten. Auf dem Weg zur Brautwerbung nach Timna entfernt sich Samson von der Begleitung seiner Eltern.

Er begegnet einem Löwen: „Da kam der Geist des Herrn über Simson, und als würde er ein Böckchen zerreißen“ (Ri 14,6 EU) . Auf der Reise zur Hochzeit findet er im Kadaver einen Bienenstock; er nimmt vom Honig und teilt ihn mit seinen Eltern, ohne dessen Herkunft zu verraten.

Beim siebentägigen Festmahl kam es zu einem Rätselwettstreit zwischen Samson und den dreißig philistinischen Brautbegleitern um einen wertvollen Preis in Form von dreißig Festkleidern und -hemden. Samsons Rätsel allegorisiert das Geheimnis seines Löwenkampfes: „Vom Fresser kommt Speise, vom Starken kommt Süßes“ (מֵהָאֹכֵל יָצָא מַאֲכָל וּמֵעַז יָצָא מָתוֹקmēhāʔoxēl yāāʔ maʔăxāl ūmēʕaz yāāʔ mātōq) (Ri 14,14 EU). Drei Tage lang vermochten die anwesenden Philister das Rätsel nicht zu lösen; schließlich bedrohten sie Samsons Braut mit dem Tode, damit sie die Antwort herausfände. Nach ihrem dringlichen und tränenreichen Nachforschen verriet er ihr das Geheimnis, das sie wiederum ihren Stammesgenossen verriet: „Und am siebten Tag sagten die Männer der Stadt zu ihm, bevor die Sonne unterging: Was ist süßer als Honig, und was ist stärker als ein Löwe? Er aber erwiderte ihnen: Hättet ihr nicht mit meiner Kuh gepflügt, dann hättet ihr mein Rätsel nicht erraten'“ (Ri 14,18 EU). Da sich Samson nicht in der Lage sah, die von ihm versprochenen Festkleider einzulösen, ging er ins nahe gelegene Askalon und erschlug dort dreißig Männer und raubte deren Festkleider.

Später nach Timna zurückgekehrt, fand Samson seine Frau von ihrem Vater, einem Brauch gemäß, mit dem Bräutigamführer verheiratet. Ihr Vater verbot ihm, sie zu sehen, und schlug Samson stattdessen vor, er möge ihre Schwester heiraten. Samson geriet dadurch in Zorn und trieb eine Horde in Panik versetzter Füchse, deren Schweife in Brand gesteckt waren, durch die Felder der Philister und brannte diese so nieder. Als die Philister erkannten, dass die Ursache dieser Zerstörung in der Wegnahme von Samsons Frau durch deren Vater lag, brannten sie dessen Haus samt Bewohnern nieder. Samson zog sich nach einer Auseinandersetzung mit den Philistern in den Schutz der Felskluft von Etam zurück.

Eine Philisterarmee brach auf und verlangte von Judas Bewohnern die Herausgabe Samsons. Daraufhin holten 3000 Männer von Juda Samson, den sie mit dessen Zustimmung mit zwei neuen Stricken banden und auslieferten.

Das Buch der Richter beschreibt in Kapitel 16 das schicksalhafte Ende des Samson. Er begab sich nach Gaza und verliebte sich in Delila am Bach von Sorek. Die Philister drängten Delila, das Geheimnis der Stärke Samsons herauszufinden. Schließlich erfuhr sie, dass diese in seinem Haar gründete, und sie verriet ihn. Samson wurden seine Haare abgeschoren und daraufhin wurde er durch die Philister gefangengenommen, geblendet und als Blinder zum Mahlen von Getreide eingesetzt, eigentlich eine typische Arbeit weiblicher Sklaven, die als besonders entehrend galt (vgl. Jes 47,2 EU).

Als sich einmal 3000 Philister in ihrer großen Halle versammelten, ließen sie Samson holen, um sich an dem hilflosen Gefangenen zu belustigen. Samsons Ende wird in der Bibel wie folgt beschrieben:

„27 Das Haus aber war voller Männer und Frauen. Es waren auch alle Fürsten der Philister da und auf dem Dach waren etwa dreitausend Männer und Frauen, die zusahen, wie Simson seine Späße trieb.  Simson aber rief den Herrn an und sprach: Herr Herr, denke an mich und gib mir Kraft, Gott, noch dies eine Mal, damit ich mich für meine beiden Augen einmal räche an den Philistern. 29 Und er umfasste die zwei Mittelsäulen, auf denen das Haus ruhte, die eine mit seiner rechten und die andere mit seiner linken Hand, und stemmte sich gegen sie 30 und sprach: Ich will sterben mit den Philistern! Und er neigte sich mit aller Kraft. Da fiel das Haus auf die Fürsten und auf alles Volk, das darin war, sodass es mehr Tote waren, die er durch seinen Tod tötete, als die er zu seinen Lebzeiten getötet hatte.“ – (Ri 16,27ff LUT)

Samson mythos - Rezeption, Deutung und Wertung  

Samson gilt als zwiespältige Gestalt, die im Judentum und in der christlichen Theologie von verschiedenen Autoren sehr unterschiedlich beurteilt worden ist. Manche heben eher seine großen Taten, manche eher seine Sünden hervor. Im Brief an die Hebräer 11,32–34 EU wird er in einem Zug mit großen Glaubensmännern wie David,Samuel und den Propheten genannt.

Hinweise auf ältere Vorbilder aus dem altorientalischen Kulturraum existieren, beispielsweise zeigen „[…] Rollsiegelbilder[n] des 3. Jahrtausends einen Helden mit Löwenhaut, Bogen und Keule, der Ungeheuer überwindet, Löwen, Drachen, Raubvogel; man identifiziert ihn entweder als Ninurta oder Ningirsu, Sohn des Sturmgottes Enlil“. Parallelen zu anderen mythischen Heroen wie ÖdipusHerakles und Achilles, aber auch zum Drachentöter Siegfried der nordischen Mythologietun sich auf.

Der Kampf Samsons mit dem Löwen ist in der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ein beliebtes Bild für Christus, der den Tod in der Gestalt des Löwen besiegt, und zugleich eine Allegorie des Starkmutes (Stärke). Die ehemalige Universität Helmstedt zeigt in ihrem Wappen diesen Kampf.

Die Darstellung von Samson und Delila taucht in der nordeuropäischen Kunst zunächst als moralisches Lehrbild auf, z.B. in der Holzschnittfolge der Liebestorheiten von Hans Burgkmair. Das zunächst in der Grafik und der dekorativen Kunst verbreitete Sujet wurde dann in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erstmals nördlich der Alpen von Lucas Cranach d. Ä. in die Malerei übertragen.

Die Tiefenpsychologie sieht in Samson unter anderem den Konflikt um den Mutterkomplex im Rahmen des archetypischen Heldenmythos. Der Jung-Schüler Erich Neumann typisiert ihn im Rahmen einer Ursprungsgeschichte des Bewußtseins als scheiternden „Freiheits-Sonnenhelden“: „Der JHWH geweihte Schimschon verfällt mit seiner Triebhaftigkeit der Dalila-Astarte: Sein Schicksal erfüllt sich darauf, es heißt: Haarabscherung, Blendung und Verlust der JHWH kraft“. Dies entspricht der „oberen Kastration“ als Verlust der geistigen Männlichkeit des sich in der Auseinandersetzung mit der Großen Mutter (Dalila-Astarte) entwickelnden männlichen Prinzips. Samsons Schicksal entspricht der archetypischen Entwicklung des Heros auf der Stufe der „Muttertötung“, dem „Kampf mit dem Drachen“. Sein Selbstopfer kündigt den Sieg des patriarchalen JHWH-Prinzips an.

Der Germanist Bernhard Greiner rekonstruiert die Samson-Rezeption als „Urszene interkulturellen Konflikts“ und Modell jüdischen Schicksals in der Literatur des 20. Jahrhunderts insbesondere im Werk Elias Canettis.

In dieser Tradition steht auch David Grossmans Löwenhonig: Grossman deutet Samson nicht zuletzt als Prototyp eines Selbstmordattentäters. Diese vor allem im Zuge der Terroranschläge des 11. September 2001 aufkommende Deutung vertieft Arata Takeda in Anknüpfung an die militärtheoretische Diskussion um Terrorismus als Strategie derasymmetrischen Kriegführung und im Vergleich mit der frühneuzeitlichen Verarbeitung des Samsonmythos in John Miltonsdramatischem Gedicht Samson Agonistes.

Samson figuren in der heutigen Zeit

Im inneralpinen Raum gibt es zwölf Samsonfiguren, zehn im Salzburger Lungau und zwei Vertreter davon in der Steiermark. Eine weitere dieser Riesenfiguren tritt bei dem Stadtfest Ducasse d’Ath in Ath, Belgien auf.

Da Samson laut Altem Testament mit einem Eselunterkieferknochen bei Lehi tausend Philister erschlagen haben soll, trägt nahezu jeder Lungauer Samson einen solchen Kieferknochen bei sich. Viele Mythen, Legenden und Vermutungen ranken sich nunmehr um die Riesenfigur. Durch die Jahresabrechnungen der Corporis-Christi-Bruderschaft vonTamsweg aus der Zeit von 1720 bis 1769, in denen auch die Entlohnung an „Essen und Trunk“ für den Träger angeführt ist, können diese Riesenfiguren für diesen Zeitraum nachgewiesen werden.

In Villingen-Schwenningen im Schwarzwald bildeten sich viele Sagen um den Villinger Samson namens Romäus, einem gewaltigen Villinger Söldner, der u. a. aus der benachbarten, rivalisierenden Stadt Rottweil die Stadttore gestohlen und nach Villingen auf einen Berg getragen haben soll, wie einst Samson in der Stadt Gaza deren Stadttore raubte und auf den Berg Hebron trug (Ri 16,1–3).

Samuel (Prophet)

Samuel oder Shmu’el (hebräisch שְׁמוּאֵלšəmūʔēl) oder amwīl (arabisch صمويل) war ein biblischer Prophet und der letzte Richter Israels. Das 1. Buch Samuel berichtet von seinem Wirken. Er lebte ungefähr im 11. Jahrhundert v. Chr.

Samuel Herkunft

Hanna war eine kinderlose Frau von Elkana, „[...] weil der Herr ihren Schoß verschlossen hatte“ (1 Sam 1,5 EU). Von dessen anderer Frau Peninna wurde sie deswegen regelmäßig gedemütigt. Unter der Situation litt Hanna und sprach in Schilo zum Herrn: „Herr der Heere, wenn du das Elend deiner Magd wirklich ansiehst, wenn du an mich denkst und deine Magd nicht vergisst und deiner Magd einen männlichen Nachkommen schenkst, dann will ich ihn für sein ganzes Leben dem Herrn überlassen; kein Schermesser soll an sein Haupt kommen.“ (1 Sam 1,11 EU). Der Priester Eli sprach mit Hanna und versprach ihr, dass Gott ihren Wunsch erfüllen werde. Am nächsten Morgen kehrten Hanna und Elkana zurück nach Rama, wo sie von ihm „erkannt“ und schwanger wurde. Den Sohn, den sie gebar, nannte sie Samuel.

Samuel - Bei Eli

Nachdem Samuel abgestillt wurde, brachte Hanna ihn, einen drei jährigen Stier, ein Efa Mehl und einen Schlauch Wein nach Schilo, wo sie den Stier opferte, und gab Samuel in die Obhut von Priester Eli. Jedes Jahr brachte Hanna ihrem Sohn ein Obergewand. Samuels Dienstausübung wurde im Gegensatz zu der von Priester Elis Söhnen nicht getadelt. Deren Verhalten missfiel Gott derart, dass ein „Gottesmann“ (1 Sam 2,27 EU) zu Priester Eli kam und prophezeite: „Es werden Tage kommen, da werde ich deinen Arm abhauen und die Macht deines Vaterhauses vernichten; in deinem Haus wird es keinen alten Mann mehr geben. [...] Nur einen werde ich nicht wegreißen von meinem Altar, wenn ich deine Augen brechen und deine Seele verschmachten lasse; aber der ganze Nachwuchs deines Hauses wird im besten Mannesalter sterben. Und das soll das Zeichen sein, das sich an deinen beiden Söhnen Hofni und Pinhas verwirklichen wird: Beide werden an einem Tag sterben. Ich aber werde mir einen zuverlässigen Priester einsetzen, der nach meinem Herzen und nach meinem Sinn handeln wird. Ich will ihm ein Haus bauen, das Bestand hat, und er wird allezeit vor den Augen meines Gesalbten seinen Dienst versehen. Wer dann von deinem Haus noch übrig ist, wird kommen und sich um ein Geldstück oder einen Laib Brot vor ihm niederwerfen und sagen: Nimm mich doch in eine der Priestergruppen auf, damit ich ein Stück Brot zu essen habe.“ (1 Sam2,31-36 EU) Bei Eli wurde Samuel eines Tages dreimal von Gott gerufen. Jedes Mal ging Samuel zu Eli, da er dachte, dieser habe ihn gerufen. Beim dritten Mal wurde Eli klar, dass Samuel von Gott gerufen wurde, und er sagte ihm, wie er beim nächsten Mal reagieren solle. Als Gott Samuel das vierte Mal rief, reagierte Samuel wie von Eli vorgegeben und Gott sprach zu ihm, wobei er die Drohungen gegen Eli und sein Haus bekräftigte. Samuel fürchtete sich, Eli von der Vision zu berichten; da dieser aber darauf bestand, dass Samuel alles erzähle, tat dieser das. So wurde Samuel im Laufe der Zeit als Prophet anerkannt. (1 Sam 3,20 EU)

Samuel - Krieg mit den Philistern 

Im Krieg gegen die Philister erlitten die Israeliten eine Niederlage und beschlossen, die Bundeslade aus Schilo in ihr Lager in Eben-Eser kommen zu lassen. Die Bundeslade wurde unter Begleitung von Priester Elis Söhnen ins Lager gebracht, woraufhin großer Freudenjubel ausbrach, den die Philister hörten. Diese fürchteten sich zwar wegen der Unterstützung der Israeliten durch Gott, griffen sie aber dennoch an, wobei die Bundeslade erobert und Elis Söhne getötet wurden. Als ein Bote Eli davon berichtete, fiel dieser rückwärts vom Stuhl und brach sich das Genick.

Samuel Als Richter

Die Israeliten wandten sich mit der Bitte, von den Philistern befreit zu werden, an Samuel. Dieser sagte ihnen, sie sollen die „[...] fremden Götter mitsamt den Astarten aus [ihrer] Mitte fort[schaffen]“ und ihr Herz Gott zuwenden (1 Sam 7,3 EU). Nachdem das die Israeliten taten, versammelte Samuel sie in Mizpa, wo sie Opfer darbrachten. Gott stiftete Verwirrung unter den angreifenden Philistern, woraufhin sie von den Israeliten geschlagen wurden. Die von den Philistern eroberten Städte wurden zurückerobert. Jedes Jahr reiste er nach Bet-ElGilgal, Mizpa und Rama, um Recht zu sprechen. Als Samuel alt wurde, machte er seine Söhne (Joël war der erste, Abija der zweite Sohn) zu Richtern. Sie waren bestechlich und beugten das Recht (1 Sam 8,3 EU), weshalb die Ältesten der Israeliten forderten, dass Samuel einen König einsetze (1 Sam8,5 EU). Samuel missfiel der Vorschlag, doch Gott sagte im Gebet zu ihm, er solle auf das Volk hören, da es ihn (Gott) nicht mehr als König haben wolle. Samuel sprach zu den Israeliten und machte ihnen die negativen Folgen (bspw.LeibeigenschaftWehrdienstZehnt) eines Königs bewusst. Die Israeliten beharrten dennoch auf einen König und Gott sprach zu Samuel, dass er ihnen einen König einsetzen solle.

Samuel Einordnung

Samuel war einer der großen Propheten des Tanach und wird in einem Atemzug neben Mose und Aaron genannt: „Mose und Aaron unter seinen Priestern, und Samuel unter denen, die seinen Namen anrufen, die riefen den Herrn an, und er erhörte sie.“ (Psalm 99,6 EU)

Samuels Leben war flankiert vom Umbruch zwischen der Anarchie der Richterzeit, die von regelmäßigen Invasionen benachbarter Völker geprägt war, und der Einführung einer Monarchie in Israel. Nachdem Saul sich den Anforderungen seines Amtes nicht gewachsen zeigt, salbt Samuel David zu dessen Nachfolger. Samuel zeigt dem Volk Israel eine Kritik am Königtum auf. Das Königtum scheitert, wenn sich der König nicht der gottgewollten Ordnung unterwirft, wie Samuel es Saul vorwarf. Deutlich wird aber, dass Samuel die Erneuerung des Landes bringen wird. Nach dem Zerfall, geschildert in Ri17 LUT1 Sam 6 LUT, kann Samuel das Land wieder reformieren: Aber anhand der Schilderungen der schlechten Beispiele der Söhne Elis und Samuels wird deutlich: Ein Königtum ist zwar gewollt, aber es soll keine dynastische Herrschaft werden.

Samuels Wirken ist ein Beispiel für das Spannungsverhältnis zwischen Königen und Propheten.

Samuelsgrab

An der überlieferten Stelle des Samuelsgrabes in dem Dorf Nabi Samwil im Westjordanland befinden sich heute eine Moschee und eine Synagoge. Zur Zeit der Kreuzfahrer befand sich an der vermuteten Stelle des Grabes die Prämonstratenserabtei St. Samuel.

Aaron

Der Name ist im Alten Testament zu finden. Demzufolge hieß der ältere Bruder von Moses und erste Hohepriester Aaron(hebräisch אַהֲרֹן Aharon). Er gilt als der Begründer des Aaronitischen Priestertums und Namensgeber des Aaronitischen Segens. Die Herkunft des Namens ist höchstwahrscheinlich ägyptisch und bedeutet „Erleuchteter, Bergmensch, (großer) Kämpfer, Held“, möglicherweise auch „groß ist der Name (Gottes)“.  Nach einer anderen Theorie soll es sich um einen ursprünglich hebräischen Namen (hebräisch אַהֲלוֹןahǎlôn „Zeltmann“) handeln. Dieser soll im Ägyptischen einen Lautwandel von l zu r vollzogen haben. Möglicherweise besteht auch ein Bezug zu hebräisch ארוןAron, „(Bundes-)Lade, Kasten“.

Der heute im Deutschen nur noch selten vergebene Vorname kommt auch als Familienname vor. Die islamische Variante des Namens ist Harun

Saul – Erste König

Eines Tages offenbarte Gott Samuel, dass am nächsten Tag ein Mann aus dem Gebiet Benjamins zu ihm kommen werde, den er zum Fürsten des Volkes Israel salben solle. Auf der Suche nach einer entlaufenen Eselin kamen Saul und ein Diener in das Gebiet von Zuf. Dort beschlossen sie, den bekannten Seher, Samuel, um Rat zu fragen. Saul und Samuel trafen sich und Gott sagte zu Samuel, dass Saul der zukünftige Herrscher sei. Am nächsten Tag salbte Samuel Saul zum Fürsten und teilte ihm mit, was in den nächsten Tagen geschehen werde und wie Saul sich dabei verhalten solle. In sieben Tagen würde Samuel zu Saul kommen. In Mizpa versammelte Samuel die Stämme Israels um einen König auszulosen, wobei das erste Los auf den Stamm Benjamin, das nächste innerhalb des Stamms auf die Sippe Matri und das letzte Los auf Saul fiel. Nach einem Sieg der Israeliten unter Sauls Führung gegen den Ammoniter Nahasch wurde Saul auf Vorschlag Samuels auch in Gilgal als König bekannt gemacht (1 Sam 11,14 EU).

Als Samuel alt wurde, versammelte er die Israeliten, erinnerte sie an die Geschichte ihrer Väter und ermahnte sie, Gott zu dienen.

Saul missachtete vor einem Kampf mit den Philistern die Anweisungen, die Samuel ihm genannt hatte. Samuel erfuhr davon und prophezeite Saul, dass dessen Herrschaft keinen Bestand haben werde (1 Sam 13,14 LUT). Militärisch war Saul erfolgreich, so besiegte er, wie Samuel ihm aufgetragen hatte, Amalek und befreite Israel. Allerdings tötete er nicht "[...] Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel!" (1 Sam 15,3 EU), so wie es Samuel forderte, sondern "[...] schonte[n] Agag, ebenso auch die besten von den Schafen und Rindern, nämlich das Mastvieh und die Lämmer sowie alles, was sonst noch wertvoll war" (1 Sam 15,9 EU), sie wollten die Tiere opfern.

Der Ungehorsam missfiel Gott und er sprach zu Samuel, dass er die Wahl Sauls zum König bereue. Am nächsten Tag konfrontierte Samuel Saul mit der unvollständigen Befehlsausführung und sagte ihm, dass der Gehorsam besser sei als Opfer und Trotz und Widerspenstigkeit eine Sünde. Saul sah seine Sünde ein, bat Samuel um Vergebung der Sünde, doch dieser wandte sich von ihm ab: Saul habe Gottes Wort verworfen und Gott nun Saul als König; Gott würde einem anderen die Herrschaft über Israel geben. Samuel und Saul gingen anschließend zurück, um Gott anzubeten. Im Anschluss daran ließ er den gefesselten Agag bringen und "hieb [ihn] in Stücke" (1 Sam 15,33 EU). Danach ging Samuel nach Rama und "[...] trauerte um Saul, weil es den Herrn reute, dass er Saul zum König über Israel gemacht hatte" (1 Sam 15,35 EU).

Wer war Saul ??

Nach der Bibel war Saul um 1000 v. Chr. der erste König Israels. Bisher gibt es keine außerbiblischen Zeugnisse für die Existenz dieses Stammesfürsten oder Königs. Die zeitlich genaue Fixierung seiner Regierungszeit ist ebenfalls extrem schwierig.

Saul Etymologie

Der Name Saul (hebräisch שָׁאוּל Šāʔûl oder Scha’ul) leitet sich von der Verbwurzel שׁאל š’l ab, welche „fragen / bitten“ bedeutet. Der Name ist also ein Partizip Passiv und heißt übersetzt „der Erbetene“. Dies ist ein Dankname für die Geburt eines Kindes. In der Septuaginta wird der Name als σαουλ sa-ul wiedergegeben, woher die deutsche Aussprache stam

Saul Biblisches Zeugnis

Saul, der Sohn des Kisch aus Gibea im Gebiet des Stammes Benjamin, markiert mit seiner Herrschaft den Übergang von einem losen Zusammenschluss einzelner Stämme Israels zu einem fest gefügten Staat. Zwar trat er wie die charismatischen Richter vor ihm in einer kritischen Situation als politisch-militärischer Führer in Erscheinung, legte aber im Gegensatz zu ihnen sein Mandat anschließend nicht nieder.

Die biblischen Erzählungen zu Saul finden sich im 1. Buch Samuel (1 Sam 8–31 EU). Danach schlug er die Ammoniter in einer offenen Feldschlacht und befreite damit die von ihnen belagerte Stadt Jabesch in Gilead. Dieses Gebiet scheint zu seinem Stammesgebiet gehört zu haben, denn die Leute von Jabesch begruben später seinen Leichnam und die seiner Söhne „unter einem Tamariskenbaum“ (1 Sam 31,11–13 EU). In der Siegesfreude wurde er anschließend auf der alten Kultstätte Gilgal durch das Volk zum König gewählt, nachdem er zuvor in 1 Sam 10,1 EU vom Propheten Samuel lediglich zum Fürsten (hebr. Nagid) gesalbt worden war. 1 Sam 8 EU enthält eine explizite Kritik am israelitischen Königtum, das mit Saul etabliert wurde.

Saul stand in ständigem Konflikt mit den Philistern, der starken Macht der Küstenstädte und der fruchtbaren Ebenen. Er konnte sich trotz zahlreicher Kämpfe nie entscheidend gegen diesen Gegner durchsetzen und vereinte vor allem die Stämme des nördlichen Berglandes (Ephraim), des Ostjordanlandes Gilead und zeitweise auch das Gebiet der großen Städte in der Jesreel-Ebene sowie des davidischen Stammesgebietes Benjamin und Juda.

Er residierte in seinem Heimatort Gibea und begann mit der Schaffung staatlicher Strukturen, die aber erst von seinen Nachfolgern erfolgreich ausgebaut werden konnten. Unter anderem baute er ein kleines, stehendes Söldnerheer auf und ordnete die Vertreibung von Totenbeschwörern und Wahrsagern an. Im kultisch-religiösen Bereich kam es mehrfach zu Unstimmigkeiten mit dem Propheten Samuel, der ihn zunächst zum Nagid gesalbt hatte, ihn schließlich jedoch im Auftrag Gottes verwarf.

Saul wurde von seinem Sohn Jonatan unterstützt, und auch David, der Krieger aus dem südlichen Bergland, konnte bald die Anerkennung des Königs gewinnen und wurde sein Schwiegersohn. Allerdings neidete Saul seinem Schwiegersohn zunehmend dessen Erfolge und Beliebtheit. In seinen durch einen bösen Geist ausgelösten Verstimmungen glaubte er einerseits von Jonatan und David, andererseits von Samuel bedroht zu werden. Nach 1 Sam 16–26 EU trachtete er David wiederholt nach dem Leben. Dabei fiel er selbst zweimal in dessen Hand. Der spätere Thronfolger schonte jedoch das Leben Sauls.

Nach mehreren Scharmützeln und Kämpfen besiegten seine ständigen Widersacher, die Philister, das Heer Israels schließlich beim Gilboa-Gebirge. Dort stürzte sich der König in sein eigenes Schwert, um nicht lebend in die Hände der Feinde zu fallen. Die Philister hängten ihn und Jonatan an den starken Mauern Beth-Scheans auf (1 Sam 31,10 EU). Sein Erbe trat sein Sohn Ischbaal an, der allerdings von Männern Davids (angeblich gegen dessen erklärten Willen) ermordet wurde.

Nach 1 Sam 28 EU suchte Saul, obwohl das Gesetz den Israeliten dies verbot, vor seiner letzten Schlacht die Hexe von Endor auf. Der aus dem Scheol gerufene Geist des bereits verstorbenen Propheten Samuel bestätigte nur die bereits erfolgte Verwerfung Sauls und kündigte seinen Tod in der bevorstehenden Schlacht an. Gefasst ging Saul schließlich in den Tod und zu Samuel in den Scheol.

Saul - Historischer Hintergrund

Das erstarkende Stammeskönigtum des Saul und seiner Söhne im Norden bedrohte die Handelswege der Ägypter und die Philisterstädte der Ebene und des Küstengebietes, so dass es zu anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen kam, die für Saul nicht zu gewinnen waren und tödlich endeten.

Die biblischen Episoden um David und Saul, die vermutlich an alte Heldensagen anknüpfen, werden von Kritikern oft als pro-davidische Propaganda aus einer Zeit gewertet, als David bereits das Haus Sauls bei den Nordstämmen beerbt hatte, oder als Umdeutungen aus noch späterer Zeit, als das deuteronomistische Geschichtswerk entstand.

Nach der Verstoßung Sauls, wies Gott Samuel an, nach Bethlehem zu gehen und einen der Söhne Isais zum König zu salben; er werde Samuel sagen, welcher es sein solle. Die Wahl fiel auf den achten und jüngsten Sohn David, der zunächst nicht bei dem Opfermahl anwesend war. Samuel salbte ihn zum König und ging zurück nach Rama (1 Sam 16,13 EU). Als Saul David umbringen lassen wollte, floh dieser zu Samuel nach Rama und berichtete ihm von Sauls Hass gegen ihn (1 Sam 19,18 EU). Samuel und David gingen ins Prophetenhaus. Alle Boten, die Saul zum Prophetenhaus schicken ließ, um David zu holen, gerieten auf dem Weg dorthin, wie Saul selbst, in "prophetische Verzückung" (1 Sam 19,23 EU). David floh nach Sauls Ankunft wieder aus dem Prophetenhaus zu Jonatan, Sauls Sohn.

Samuel starb, während David vor Saul floh, und wurde bei seinem Haus in Rama begraben (1 Sam 25,1 EU).

Saul Im Islam

Im Koran findet sich der Verweis auf den ersten König Israels in Sure 2:247ff., wo sein Name jedoch in Tālūt /  طالوتumgestaltet ist – wohl als Angleichung an den Namen seines Gegenspielers Dschālūt, oder als Anspielung auf den Wortstamm tāla / طال / ‚groß sein‘ und damit auf seine auch im Koran gerühmte außergewöhnliche Körpergröße. In einer Episode um die Prüfung der israelitischen Truppen an einem Bach nimmt die koranische Darstellung vermutlich Anleihen an eine ähnlich lautende biblische Geschichte um Gideon (Ri 7,4–7 EU).

David

David (hebr. דָּוִד und דָּוִיד Dāwīd) war laut 1. und 2. Buch Samuel, dem 1. Buch der Könige und dem 1. Buch der Chronik des Tanach und des Alten Testaments der Bibel König von Juda und als Nachfolger Sauls zeitweise auch von Israel. Er lebte um 1000 v. Chr. und gilt als Verfasser zahlreicher Psalmen, der Davidpsalmen.

David wurde als jüngster Sohn Isais (Jesse) in Bethlehem geboren. Bereits als Knabe salbte ihn Samuel zum künftigen König. Bald kam er an den Hof Sauls, was in der Bibel in zwei sich gegenseitig ausschließenden Varianten erzählt wird. In der ersten (1 Sam 16,14–23 EU) lässt Saul ihn holen, um sich durch Davids Spiel auf der „Harfe“ Kinnor aufmuntern zu lassen, denn er wurde „durch einen vom Herrn gesandten bösen Geist geplagt“. Unmittelbar daran (1 Sam 17 EU) schließt sich die bekannte Erzählung vom Sieg über den Riesen Goliat an: Der Hirten junge David, der eigentlich nur seinen im Heer dienenden Brüdern Brot und Käse bringen sollte, ertrug die lästerlichen Verhöhnungen des Vorkämpfers der Philister nicht. Daraufhin wurde er Saul vorgestellt und mit dessen eigener Rüstung ausgestattet, verzichtete jedoch auf diese und tötete den in Bronze und Eisen gepanzerten Philister (ein Hinweis auf die beginnende Eisenzeit im östlichen Mittelmeerraum) mit einer einfachen Steinschleuder. Daraufhin erkundigte sich Saul, wessen Sohn dieser tapfere Junge sei, und ließ ihn an seinen Hof kommen. Es wurden verschiedene Lösungen zur Auflösung dieses Widerspruchs vorgeschlagen, ein allgemeiner Konsens darüber besteht aber nicht.

Am Hof zog David bald die Eifersucht Sauls auf sich, da er als größerer Held erschien als der König. Saul versuchte daraufhin mehrmals, ihn zu töten. David wurde von Saul in ein Gefecht gegen die Philister entsandt, aus dem er ihm 100 Vorhäute von getöteten Philistern bringen sollte. Saul ging davon aus, dass David in diesem Gefecht sterben würde. Falls es David jedoch gelänge die Vorhäute zu erbeuten, versprach Saul ihm seine Tochter Michal zur Frau. David überlebte nicht nur den Kampf, sondern brachte Saul sogar 200 Vorhäute von getöteten Philistern. Somit war die Ehe von David und Michal besiegelt (1 Sam 18,17–28 EU). Michal warnte David vor weiteren Mordabsichten ihres Vaters (1 Sam 19,11-18 EU) und verhalf ihm zur Flucht. Auch Sauls Sohn Jonatan, mit dem David eng befreundet war (1 Sam 19,1–7 EU), unterstützte ihn.

David schlug sich als Bandenführer durch und wurde von Saul mit 3000 auserwählten Soldaten gejagt. In den Höhlen von En Gedi begab sich der König für seine Notdurft zufällig genau in die Höhle, in der sich David und seine Leute versteckt hielten. Doch statt ihn zu ermorden, wie es seine Bande forderte, schnitt David lediglich einen Zipfel des königlichen Gewandes ab. Diesen präsentierte er Saul vor der Höhle als Zeichen seiner Loyalität.

Tief gerührt prophezeite ihm der König, dass er dereinst König nach ihm werden würde, und ließ ihn schwören, seinem Geschlecht und Namen kein Leid anzutun. Daraufhin ließ er ihn ziehen. In der Folge verdingte sich David als Lehnsmann bei den Philistern. Während seines Aufenthaltes ging er gegen Räuberbanden in der Wüste vor. Als die Philister gegen Israel rüsteten, verzichteten sie auf die Unterstützung durch David, da sie ihm nicht trauten. David verschonte Saul zum zweiten Mal, als er sich in Sauls Lager schlich und zum Zeichen seiner Überlegenheit nur dessen Spieß und Wasserkrug entwendete. Durch die zweimalige Verschonung Sauls macht der anonyme Verfasser der Erzählung Davids Respekt vor dem Königtum Nord-Israels sinnfällig. Dies erleichterte den nord-israelitischen Stämmen später im Gegenzug auch das Königtum Davids anzuerkennen, welches sich zum Schluss auf Nord- und Südreich erstreckte.

David als König

Saul starb im Kampf gegen die Philister (Selbsmord ??). Mit ihm fiel sein Sohn Jonatan, von dem David später sagte, seine Liebe habe ihm „mehr als Frauenliebe“ bedeutet (2 Sam 1,26 EU). Da es nun keinen Thronfolger mehr gab, salbten die Ältesten der Israeliten David in Hebron zum König (2 Sam 5,3 EU). Zum König über den Südstamm Juda hatte ihn der Prophet Samuel bereits Jahre zuvor in Bethlehem gesalbt. (1 Sam16,1 EU). Die Selbstverständlichkeit, mit der eine Spaltung Israels in ein Nord- und ein Südreich schon für Davids Lebenszeit berichtet wird, lässt den Schluss zu, dass diese Zweiteilung, die die Bibel erst für die Zeit nach dem Tode Salomos bezeugt, womöglich wesentlich älter war.

Durch politische Schachzüge und die Ausschaltung oder Bindung an sich überging David die Nachkommen Sauls: Er wurde auch zum König über Israel, das allerdings ein selbständiges Königreich blieb. Beide Reiche waren in Personalunion miteinander verbunden. David eroberte nun Jerusalem, das genau auf der Grenze zwischen beiden Teilreichen lag. Dadurch gehörte die Stadt zu keinem der zwölf Stammesgebiete, sondern gehörte als Krongut dem König allein.

Nach der Festigung seiner politischen Macht brachte David die Bundeslade nach Jerusalem, die bis dahin in der Stiftshütte in Silo aufbewahrt worden war, um die dortige Priesterschaft zu schwächen und seine Stadt nun auch zum religiösen Zentrum des Reiches zu machen. David führte eine Reihe von überwiegend erfolgreichen Kriegen gegen Israels Nachbarvölker, die zumeist sein Neffe Joab für ihn führte, und schuf so ein Großreich, das im Norden Baalbek und Damaskus, im Osten Moab, im Süden das Gebiet bis zum Roten Meer und im Westen das Land bis zum Mittelmeer umfasst haben soll. Die Eroberung der Philistergebiete an der Küste zwischen Gaza und Jaffa gelang aber nicht.

Zur Zeit eines Feldzugs gegen die Ammoniter schlief David mit Bathseba, der Frau von Urija, einem Hethiter, der einer seiner Offiziere war. Ihr Ehemann befand sich zu der Zeit fernab vor dem belagerten Rabba. Als David erfuhr, dass Bathseba von ihm schwanger geworden war, ließ er Urija in der Hoffnung nach Jerusalem zurückkehren, dieser würde dann mit Bathseba schlafen und das Kind später als sein eigenes anerkennen. Urija weigerte sich jedoch, das eigene Haus zu betreten und bei seiner Frau zu schlafen, solange die Kriegshandlungen noch andauerten und den anderen Soldaten ein solches Vorrecht verwehrt sei; womöglich durchschaute er auch die Absicht des Königs..

Daraufhin befahl David dem Joab in einem von Urija persönlich überbrachten Brief (dem sprichwörtlich gewordenen Uriasbrief), diesen an die vorderste Front zu stellen, damit er falle. Diesmal ging Davids Plan auf und er heiratete die Witwe. Sie war nach Sauls Tochter MichalAbigail aus Maon und Ahinoam aus Jesreel, Haggit, Egla, Abital und Maacha, der Tochter des Königs Tamaris von Geschur, Davids achte Frau.

Der Prophet Natan drohte ihm dafür Gottes Strafe an, und das Kind Bathsebas starb. Trotz seiner Sünde blieb David in der Darstellung des Buches Samuel der Liebling Gottes, auch wenn ihm zur Strafe verwehrt blieb, den Jerusalemer Tempel zu bauen. Dies blieb dem zweiten Kind vorbehalten, das Bathseba dem David gebar, nämlich Salomo.

Ein anderer Sohn Davids, Absalom (auch: Abschalom), versuchte seinen Vater zu stürzen, was ihm auch beinahe gelang. Der alte David bestimmte kurz vor seinem Tod auf Rat Bathsebas und Natans (der Prophet) anstelle des ehrgeizigen Adonia Salomo zu seinem Nachfolger und ließ ihn zum König salben.

Das David-Bild der Samuelbücher ist psychologisch differenziert. Es zeigt Licht-, aber auch Schattenseiten des Helden wie Zögern, Zweifeln, Freundschaft, Liebe, Altersbeschwerden, Zorn, Begehren und schwere Schuld. Das ist bei Königserzählungen jener Zeit ohne Beispiel.

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